Latein am Jahngymnasium

Schon vor dem Betreten des Jahngymnasiums wird jeder Schulbesucher mit einer großen lateinischen Inschrift über dem Lehrereingang des Gebäude I überrascht und konfrontiert:

SALUS SCHOLAE SALUS CIVITATIS

„Das Wohl der Schule (ist zugleich) das Wohl der Bürgerschaft.“

Eine Investition in das Jahngymnasium wird sich also für die Bürgerschaft Greifwalds gewiss nicht als ein Fehler erweisen, weil bei einer entsprechenden Förderung dieser Schule auch die Schüler und Schülerinnen eine gute Ausbildung erhalten können. Denn diese werden mit ihren gelernten Fertigkeiten und Fähigkeiten im Berufsleben später die Bürgerschaft voranbringen. Soweit der lateinische Leitspruch dieser Schule.

Wohl dem, der Latein kann bzw. wissbegierig ist, seinen Horizont erweitern und Latein lernen will.

 

Latein als 2. Fremdsprache? Sieben gute Gründe, am Jahngymnasium Latein zu lerne

  1. Latein als Studienvoraussetzung: Leichter studieren!

Das Latinum ist an den Universitäten Voraussetzung für viele Studiengänge.

Wer später entweder Geisteswissenschaften (z.B. Philosophie, Geschichte, Kunstgeschichte, Archäologie, Theologie…) oder alte bzw. moderne Sprachen (Romanistik, Anglistik, Germanistik, …) studieren will, muss das Latinum vorweisen oder es über mehrere Semester mühsam mit Extraprüfungen nachholen. Dieser bundeseinheitliche Abschluss umfasst den Erwerb von Kenntnissen in der lateinischen Sprache bis zur Fähigkeit, Originaltexte von Autoren wie Cicero, Seneca oder Ovid in treffendes Deutsch zu übersetzen.

Das Jahngymnasium bietet die Möglichkeit, ab Klasse 7 mit Latein als zweiter Fremdsprache einzusteigen und am Ende in Klasse 12 mit mindestens ausreichenden Leistungen das Latinum zu erhalten.

Auch in Fächern, die kein Latinum verlangen, prägt Latein die Wissenschaftssprache. Rechtzeitig an ein mögliches Studium zu denken, ist schon ein ausreichender Grund, sich für Latein zu entscheiden.

 

2. Basissprache Latein für ein besseres Deutsch: Ausdrucksfähigkeit erweitern

Der Lateinunterricht führt nicht nur in die alte Sprache ein, sondern schult intensiver als jede moderne Fremdsprache die Übersetzungsfähigkeit ins Deutsche. Im Vordergrund des Lateinunterrichts steht nämlich das Übersetzen der lateinischen Originaltexte. Dabei trainiert der Lateinlernende die Ausdrucksmöglichkeiten seiner Muttersprache und gewinnt tieferen Einblick in ihre Strukturen; Schüler und Schülerinnen deutscher und ausländischer Herkunft lernen oft erst im Lateinunterricht, wie deutsche Grammatik wirklich funktioniert. Mit Latein lernt man, die deutsche Sprache besser zu verstehen und bewusster, präziser und abwechslungsreicher zu gebrauchen.

Durch die ausführliche Sprachreflexion erfahren die Schüler und die Schülerinnen mehr über den generellen Aufbau und die Struktur von Sprachen. Deshalb dient Latein nicht nur als Sprachenmodell, sondern auch als Königsweg zu vertieftem Sprachverständnis und als Trainingsfeld für die Muttersprache.

 

3. Latein: Sprungbrett für andere Sprachen und Hilfe, Fremdwörter zu verstehen

Auch in unserer Alltagssprache ist eine Vielzahl von Fremdwörtern eingegangen. Wer außer demjenigen, der mit Latein vertraut ist, kann schon auf Anhieb definieren, was „kollateral“ oder „Identifikation“ wirklich bedeutet? Wer Latein auf der Schule lernt, blickt genau dort durch, wo andere nur „Bahnhof“ verstehen.

Latein schafft auch eine Brücke zu den modernen Fremdsprachen in Europa. Denn wer Latein lernt, hat Vorteile beim Erlernen dieser anderen Sprachen. Schließlich fließen nicht nur in den romanischen Tochtersprachen Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch römisches Blut mit den gleichen Ordnungsrastern und Satzstrukturen wie in der Muttersprache Latein; auch der englische Wortschatz lässt sich bis zu 60 % aus dem Lateinischen ableiten. Wer im Europa von heute moderne Fremdsprachen lernen will, hat mit Latein das beste Fundament.

 

4. Latein zeigt den Weg zu den europäischen Wurzeln

Die Welt von heute versteht nur, wer weiß, woraus sie hervorgegangen ist: Kein modernes Europa ohne das „imperium Romanum“, keine europäische Geistesgeschichte und Literatur ohne die schöpferischen Leistungen der Griechen und ihre Vermittlung an uns durch die Römer. Wer Latein lernt, lernt sich als Erbe einer abendländischen Tradition von Griechenland über Rom und das lateinische Mittelalter bis heute begreifen, geschichtliche Zusammenhänge zu sehen und seine eigenen europäischen Wurzeln zu erkennen. Texte über das römische Recht vermitteln ein Hintergrundwissen über das europäische Rechtsdenken; das Zusammenleben der Menschen in der politischen Gemeinschaft und der zentrale Freiheitsbegriff „libertas“ werden anhand von Ciceros Denkanstößen diskutiert. Die Lektüre lateinischer Originaltexte führt also den Schüler gleichsam mit dem Fahrstuhl zu den Wurzeln Europas.

 

5. Latein: Spezialtraining fürs Köpfchen

Latein ist eine Schule des Denkens: Genaues Beobachten auch des kleinsten Details, Kombinieren, Schlüsse ziehen, Zuordnen, Abtrennen, verschiedene Lösungen gegeneinander abwägen, zielstrebig und mit Ausdauer bei der Sache bleiben – das ist Dreh- und Angelpunkt einer jeden Übersetzung vom Lateinischen ins Deutsche. Bei diesem logischen, analytischen und systematischen Denken erwerben die Schüler und die Schülerinnen Fähigkeiten, die ihnen auch bei allen anderen Fächern nützen, und wichtige Qualifikationen für die spätere Berufswelt: Ausdauer, gute Beobachtungsgabe, Exaktheit und Kombinationsfähigkeit. Im Lateinunterricht das Hirn zu trainieren auf dem „Trimm-dich-Pfad“ des Geistes zahlt sich also aus.

 

6. Offener werden für Fremdes und einen eigenen Standpunkt finden

In der Antike begegnet uns viel Verwandtes, aber auch viel Fremdes. Gerade das Erlebnis des Andersartigen stellt bisher für selbstverständlich Gehaltenes in Frage und erweitert unseren Horizont. Die historische Kommunikation des Lateinunterrichts wird so zum Modell für interkulturelle Kommunikation; sie schult unsere Fähigkeit zu Dialog, Toleranz und kultureller Offenheit. So macht Lateinunterricht uns fit für die zunehmend multikulturelle Gesellschaft der Gegenwart und Zukunft und zeigt uns zugleich unseren eigenen Ort darin.

Ein moderner Lateinunterricht erweitert mit seiner Themenvielfalt nicht nur den geistigen Horizont, sondern fordert auch die Schüler und Schülerinnen zu einem eigenen Standpunkt heraus. Themen der Philosophie mit den Grundfragen der menschlichen Existenz, aber auch die römische Liebesdichtung, Rhetorik und Geschichtsschreibung führen im Vergleich mit der Gegenwart zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den vertrauten Werten und Gewohnheiten. Der historische Blick auf die fremde antike Welt lässt die Lateinlernenden die eigene Welt reflektieren und besser verstehen. Insofern erleichtert die Beschäftigung mit der römischen Alltagskultur, z.B. mit den Thermen, den Wagenrennen im Circus maximus und den Gladiatorenkämpfen im Amphitheater, auch den Sinn und Zweck der modernen Unterhaltungsindustrie im Vergleich kritisch zu hinterfragen. „Quid ad nos pertinet? Was hat das mit uns zu tun?“ Genau auf diese Frage suchen wir im Lateinunterricht am Jahngymnasium Antworten.

Die Auseinandersetzung mit der hoch entwickelten römischen Kultur und Zivilisation bewahrt uns davor, nur unseren eigenen Standpunkt zum Maßstab zu nehmen – und führt uns zu Aufgeschlossenheit gegenüber Dingen, die neu und fremd sind.

 

7. Latein fordert und fördert die Freude am Lernen: Spaß haben, Kompetenzen erwerben und die individuelle Kreativität weiterentwickeln

Latein ist nichts als öde Formen- und Grammatikpaukerei? Das war einmal – moderne Schulbücher sind für die Schüler und Schülerinnen von heute entworfen und bieten ihnen spannende Texte, Sagen, Rätsel, spielerische Übungen, Anregungen zum Rollenspiel…. Moderner Lateinunterricht macht Spaß.

Die Auseinandersetzung mit den lateinischen Texten, den Ideen und Werten vergangener Epochen beflügelt den Geist kreativer Menschen und regt sie zum analytischen, kombinatorischen und problemlösenden Denken an. Die zeitliche Distanz der Themen im Lateinunterricht verlangt nach kreativen Methoden, mit denen das geistige Erbe und das breite Orientierungswissen zu einem Besitz werden kann, von dem die jungen Menschen ein ganzes Leben profitieren können.

Die Schüler und Schülerinnen stellen ihre Kreativität unter Beweise, indem sie z.B.:

  • Szenen schreiben
  • einen Comic nach einer lateinischen Erzählung gestalten
  • Dialoge inszenieren
  • lateinische Originale parodieren
  • lateinische Verse vertonen

 

Letzte „Bonbons“:

Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Es gibt also keine Diktate. Man spricht, wie man schreibt.

Der Latinumsnachweis wird im Abiturzeugnis erwähnt und kann bei Bewerbungen ein positives Kriterium sein.

Die Altsprachenstiftung am Jahngymnasium ermöglicht nicht nur zusätzliche Materialien zur Veranschaulichung des altsprachlichen Unterrichts, sondern sie prämiert auch die besten Leistungen bei den Vokabelwettbewerben der Lateinklassen 7 / 8 und das beste Lateinabitur. Außerdem subventioniert diese Altsprachenstiftung die besonderen Tagesexkursionen der Lateinschüler(innen) nach Ankershagen ins Schliemannmuseum, nach Rostock ins Archäologische Institut oder nach Berlin ins Antikenmuseum. Zu den absoluten Höhepunkten einer Lateinlaufbahn am Jahngymnasium gehören natürlich die mehrtägigen Studienfahrten in der Mittelstufe in die alte Römerstadt Trier oder an den Limes ins Altmühltal und in der Oberstufe nach Rom, um vor Ort das zu sehen und zu spüren, was man im Lateinunterricht am Jahngymnasium kennengelernt hat.

 

Vade mecum Romam! Schreite mit uns nach Rom!

 

Text von P. Rasche